Rund 2/3 der gemeldeten Radverkehrsunfälle in Deutschland stellen Kollisionen zwischen zwei Unfallbeteiligten dar. Alleinunfälle von Radfahrenden gewinnen jedoch an Bedeutung. So wurden in Deutschland in 2024 27.836 Alleinunfälle mit Personenschaden erfasst. 161 Radfahrende (inkl. Mitfahrende) wurden dabei getötet sowie 6.294 schwer und 21.498 leicht verletzt. Alleinunfälle sind damit in Deutschland mittlerweile verantwortlich für 30 Prozent der Radverkehrsunfälle mit Personenschaden, 36 Prozent der getöteten und 45 bzw. 27 Prozent der schwer bzw. leicht verletzten Radfahrenden. Die Dunkelziffer ist jedoch hoch: Bis zu 96% der Unfälle im Fuß- und Radverkehr werden nicht erfasst.
Das (Fahr)verhalten spielt eine bedeutende Rolle. Das Fahren mit unangepassten Geschwindigkeiten oder unter Alkoholeinfluss führt häufig zu Alleinunfällen mit Verletzungsfolgen. Gleiches gilt für Stürze in Folge von Fahrfehlern (z. B. Kontrollverlust durch Überbremsen) und Ablenkung bzw. Unaufmerksamkeit. Es zeigt sich jedoch auch, dass die Infrastruktur Alleinunfälle begünstigen kann. Insbesondere Oberflächen mit reduzierter Griffigkeit (z. B. durch Nässe, Glätte, Rollsplitt oder Laub) sowie Bordsteinkanten und Schienen werden häufig im Kontext von Alleinunfällen dokumentiert.
Um Alleinunfälle zu vermeiden und einem weiteren Anstieg zu begegnen, bedarf es einer sicheren und fehlerverzeihenden Infrastruktur für den Radverkehr. Dazu zählen eine eindeutige und von Radfahrenden als sicher wahrgenommene Führung, ausreichend breite Anlagen und sichere Abstände zu unfallbegünstigenden Merkmalen (z. B. Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen).
Vor diesem Hintergrund haben die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU, Schweiz), das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV, Österreich) und die Unfallforschung der Versicherer (UDV, Deutschland) gemeinsam Empfehlungen erarbeitet und in der vorliegenden Fachdokumentation zusammengefasst. Die Fachdokumentation richtet sich an Verwaltungen und Planende in den drei Ländern und zeigt auf, welche Aspekte der Fahrradinfrastruktur Stürze von Radfahrenden begünstigen und was von Seiten der Straßenplanung und des Straßenbetriebs getan werden kann, um die Sicherheit des Radfahrens auch in Bezug auf Alleinunfälle zu verbessern und die Attraktivität des Fahrrades als umweltfreundliches und gesundheitsförderndes Verkehrsmittel weiter zu fördern.

